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Zwischen Bergen und Wäldern - Workshop in Südtirol

Blogeintrag von Lisa Hermes

Gelbe Lärchenwälder, tiefe, verwunschene Schluchten, sanfte Bergrücken, schroffe Felsen und urige Almen. Besonders im Spätherbst zeigt sich Südtirol von seiner schönsten Seite und bietet Fotografen eine ideale Vorlage für spektakuläre und emotionale Fotografien.

Gemeinsam mit Ulla Lohmann, Fotografin und Dokumentarfilmerin u.a. für National Geographic, GEO, BBC und die New York Times und ihrem Mann Basti Hofmann, Kameradrohnenpilot, Makrofotograf und leidenschaftlicher Alpinist, trafen sich auch diesen Herbst wieder Teilnehmer aus ganz Deutschland in dem kleinen Dorf Stange, um dort von den beiden den richtigen Umgang mit der Kamera zu erlernen.

Tag 1:

Foto: Jeannette Rudloff

Einige der Teilnehmer reisten bereits einen Abend vor dem offiziellen Beginn des Workshops an und stimmten sich mit selbstgemachtem Schnaps und Wein in der gemütlichen Pension „Ridnauntal“ auf die kommenden Tage ein. Am nächsten Tag konnte jedoch nichts die große Motivation aller Teilnehmer trüben. Kaum waren die Letzten eingetroffen, ging es nach einer Vorstellungsrunde hochmotiviert los zur ersten Fotowanderung durch die romantische Burkhardklamm im Ridnauner Talschluss. Natürlich nicht ohne Aufgabe: Neben der manuellen Bedienung unserer Kamera lernten wir mit einfachen Tricks, unser Auge zu schulen, mehr Details zu erkennen, Licht- und Schattenspiele zu sehen. Schon am ersten Tag entstanden - dank fachkundiger Anleitung - tolle Motive.

Foto: Lisa Hermes

Die märchenhafte Klamm beflügelte so manche Fantasie; man wurde das Gefühl nicht los, in einer Welt voller Fabelwesen umherzuwandern. Das schummrige Licht verstärkte diese Atmosphäre nicht unerheblich.

Nachdem manche die schattige Klamm bevorzugten und sich auf die Jagt nach mystischen Motiven und vielleicht auch nach jenen geheimnisvollen Wesen machten, jagten einige lieber den Sonnenstrahlen hinterher. Das letzte Licht verwandelte so manches vertrocknete und vermeidlich langweilige Gestrüpp in echte Kunstwerke.

Foto: Jeannette Hentschel

Und siehe da: Auch die Sonnenjäger stießen auf „andere Wesen“:

Foto: Ronald Hanusch

Zurück in der Pension ließen wir den lehrreichen Tag bei einem leckeren Abendessen Revue passieren. Unsere tolle Wirtin Christel zauberte uns ein Drei-Gängemenü bestehend aus hausgemachten Südtiroler Spezialitäten von dem Bauernhof der Familie. Anschließend erfuhren wir in einem inspirierenden Diavortrag von Ulla, wie man zum Expeditionsfotografen wird. Sie berichtete aus ihrem umfangreichen Erfahrungsschatz und entführte uns – gespickt mit vielen nützlichen Insidertipps und Tricks in die Welt der Abenteuer, der Vulkane und Regenwälder. Nach dem Vortrag ging es um unsere Bilder des Tages. Bei einer gemeinsamen Bildbesprechung durfte jeder eine Auswahl an Bilder zeigen, die ausführlich besprochen wurden. Jeder Teilnehmer bekam Lob, aber auch Verbesserungsvorschläge. Beflügelt, aber auch ein wenig erschöpft von all den neuen Eindrücken und voller Vorfreude auf den nächsten Tag fielen wir in unsere Betten.

Tag 2:

Heute sollte unsere Wanderung auf den 2422 Meter hohen Zinseler führen. Es mussten zwar nur knapp 300 Höhenmeter zurückgelegt werden, aber eine Gruppe verrückter Fotografen braucht mindestens dreimal so lang wie ein durchschnittlicher Wanderer... Für einige begann das Abenteuer bereits bei der mäandernden Passstraße, die sich steil durch die felsigen Hänge schlängelte und mit wunderschönen Ausblicken belohnte. Auf dem Parkplatz des Passes angekommen, erklärte uns Ulla die Aufgabe des Tages. Diesmal ging es darum, den Menschen in Beziehung zu seiner Umgebung darzustellen. Als zusätzliche Aufgabe zum Thema Bildgestaltung sollten wir einen „Rahmen“ für unsere Motive zu finden. In einer kargen Landschaft ohne Bäume, Gebäude und Zäune mussten kreative Lösungen gefunden werden. Aber an Kreativität mangelte es nicht.

Foto: Lukas Hafen
Foto: Franz Stelzl

Oben angekommen, wurden wir mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt und mit einer Weitsicht, die selbst Ulla so noch nie erlebt hatte. Der Gipfel, der entfernt an die hohen Berge des Himalayas erinnert, zeigte sich von seiner schönsten Seite.

Foto: Jeannette Rudloff

Sehr zur Freude Robbys, dem Hund, zeigte uns Ulla, wie sie fotografiert. Ihre Arbeitsweise: So lange mit einem Motiv arbeiten, bis ein entstandenes Foto den eigenen Vorstellungen entspricht. Robby durfte also viiieeele Schneebälle jagen, was ihm eine Menge Spaß bereitete.

Foto: Michaela Siegl

Auch wir waren so in unserem Element vertieft, dass trotz untergenender Sonne noch keiner an den Abstieg dachte. Gerade im Abendlich boten sich überall wunderbare Fotomotive.

Foto: Jeannette Rudloff

Als uns dann aber der Schatten der kommenden Nacht einholte und es plötzlich kalt wurde, freuten sich dann doch alle auf die warme Pension und das leckere Abendessen im Tal. Gestärkt und gewärmt fanden wir uns einige Zeit später im Seminarraum zusammen um die Bilder des Tages zu besprechen. Nach dem lehrreichen Plenum hatte Ulla auch heute wieder einen Vortrag für uns vorbereitet. Diesmal ging es um die Organisation hinter den Kulissen. Was ist wichtig bei der Planung einer eigenen Fototour? Was muss ich einpacken? Welche Tricks helfen mir, mein Equipment zu schützen?

Tag 3:

Wer vom letzten Tag noch nicht genug hatte und es etwas extremer wollte, bekam die Möglichkeit, eine Tour mit dem erfahrenen Alpinisten Basti auf die Jaufenspitze zu unternehmen.

Foto: Julian Pramstaller

Während sich die eine Hälfte der Teilnehmer dieser alpinen Herausforderung stellte, freuten sich die anderen auf eine eher gemächlichere, aber nicht weniger schöne Wanderung mit Ulla zum Saxner.

Foto: Michaela Siegl

Auf den ersten Metern des Weges gesellte sich ein schwarzer Hund zu unserer Gruppe. Schnell schlossen wir ihn mit seiner charismatischen Art ins Herz und erhoben ihn kurzerhand zu unserem Fotomodel. Weit kamen wir nicht auf unserer Wanderung, an jeder Ecke gab es etwas Neues zu entdecken.

Foto: Jeannette Rudloff

Immerhin schafften wir es zur Heimat des Hundes, zur Flecknerhütte, wo wir uns mit leckerem Kaiserschmarrn und Cappucino stärkten. So kommt man also auch in einem abgelegenen Ort wie diesem zu Kundschaft; man braucht nur einen netten Hund. :-)

Foto: Michaela Siegl

Natürlich wehrte sich keiner gegen diese gemütliche Abweichung des ursprünglichen Plans und der Gipfel geriet schnell in Vergessenheit. Nicht aber die fotografische Tagesaufgabe, welche heute unter dem Thema der Landschafts- und Makrofotografie stand.

Foto: Michaela Siegl
Foto: Helena Glaesser

Wie der Hund so der Herr ; auch der Hüttenwirt stellte sich als sympathischer Charakter heraus und wusste ein wirksames Rezept gegen die Kälte der langsam eintretenden Nacht.

Foto: Michaela Siegl
Foto: Jeannette Rudloff

Während wir den Sonnenuntergang also aus der gemütlichen Hütte beobachteten, schien die andere Hälfte der Gruppe immer noch aus ihrem scheinbar unendlichen Vorrat an Energie zu schöpfen: An Spaß schien es auch hier nicht gemangelt zu haben.

Foto: Reinhard Penn

Glücklich und voller neuer Erfahrungen fanden sich beide Gruppen am Abend in der Pension ein und erzählten sich in geselliger Runde von ihren Abenteuern.

An diesem Abend wartete aber noch eine weitere spannende Aufgabe auf uns: Ulla gab eine Einweisung in die Nachtfotografie und Lichtmalerei. Ob wir alle aufmerksam zugehört hatten, konnten wir eine halbe Stunde später auf dem Bergfriedhof beweisen. Obwohl es für viele ein neues und unbekanntes Feld in der Fotografie war, entstanden doch sehr sehenswerte Ergebnisse.

Foto: Silke Gareis

Tag 4:

Mit einem einprägsamen Diavortrag führte uns Ulla nach dem Frühstück in die Geheimnisse der Straßen- und Menschenfotografie ein. Unter diesen Aspekten sollten wir heute an unsere Motive herangehen. Es gab wieder zwei Möglichkeiten zur Auswahl, die gemütliche oder die sportliche Variante. Die erste Gruppe machte sich mit Ulla auf den Weg in die Sterzinger Innenstadt um dort den „perfekten Augenblick“ zu jagen.

Foto: Kathi Till

Die zweite Gruppe fuhr mit Basti zum Klettern nach Reifenstein. Unterhalb der Reifensteiner Burg liegt eine schroffe Felswand, die sich bestens für unser Vorhaben eignete. Wem die letzten Tage noch nicht aufregend genug waren, kam nun definitiv auf seine Kosten. Adrenalin pur hoch über dem Boden...

Foto: Reinhard Penn

Jeder, der sich nicht von den lästigen Paparazis aus der Ruhe bringen lies, kam früher oder später am Ende der Kletterroute an. Was ein Erfolg! :-)

Foto: Reinhard Penn

Am Abend erwartete uns ein weiteres kulinarisches Highlight unserer Lieblingswirtin Christel: Käseknödel! Sie rundeten einen weiteren erlebnis- und lehrreichen Tag perfekt ab. Und dann wurde klar, dass dies schon der letzte Abend unserer tollen und intensiven Zeit hier in Südtirol war! Die melancholische Stimmung verflog schnell, als die selbstgemachten Schätze ausgepackt wurden: Leckerer Tannen- und Toffeeschnaps! Bis spät in die Nacht wurde gefachsimpelt, geredet und gelacht.

Tag 5:

Der letzte Tag begann trotz der kurzen Nacht früh: Nach einem stärkenden Frühstück stellte jeder eine Reportage aus seinem umfangreichen Fotorepertoire der letzten Tage vor. Mit persönlicher Musik untermalt, machten die einzelnen Präsentationen einen sehr professionellen Eindruck. Es war erstaunlich, wie eindeutig man die tägliche Verbesserung in den einzelnen Fotografien erkennen konnte. Das „M“ auf der Kamera war plötzlich nicht mehr nur ein abstrakter Buchstabe. In den letzten Tagen hatten wir gelernt, das Bild mit allen Möglichkeiten der Kameratechnik selbst zu gestalten, anstatt es entstehen zu lassen. Ein Bild war nun kein Zufallsprodukt mehr, es wurde nach eigenen Wünschen und Vorstellungen kreiert. Zum krönenden Abschluss des Workshops konnten wir in der spektakulären Gilfenklamm die gelernten Dinge nochmal unter Ullas kundigem Blick anwenden.

Foto: Lisa Hermes

Auch wenn alle den Augenblick des Abschieds am liebsten noch um Tage verschoben hätten, findet auch die schönste Zeit irgendwann ein Ende. Auf dem einem Auge lachend und dem anderen weinend, setzte sich jeder in sein Auto und wusste: Das war nicht das letzte Mal!

Foto: Franz Stelzl

Ich erinnere mich gerne an die fünf Tage zurück und freue mich nicht nur über die neu gewonnenen Freundschaften und tollen landschaftlichen Eindrücke, sondern auch über das umfangreiche fotografische Wissen, das meine Fotografie auf ein neues Niveau gehoben hat.


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